Schweizer Arztpraxen stehen vor grossen Herausforderungen in der IT-Sicherheit. Seit dem 1. September 2023 verpflichtet das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) zu klar definierten Schutzmassnahmen. Verstösse können Praxisinhaber bis zu CHF 250’000 kosten. Zudem bedrohen Ransomware-Angriffe den Betrieb und verursachen Schäden von bis zu CHF 200’000.
Wichtige Massnahmen:
- Echtzeit-Überwachung: SIEM-Tools erkennen Bedrohungen und unterstützen schnelle Reaktionen.
- Zugriffssicherung: Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Verschlüsselung schützen sensible Daten.
- Regelmässige Audits: Vierteljährliche Schwachstellen-Scans und Backuptests sichern Compliance.
- Cloud-Sicherheit: BSI C5-zertifizierte Hosting-Lösungen bieten zusätzliche Sicherheit.
Die Kombination aus technischen Lösungen, Mitarbeiterschulungen und kontinuierlicher Überprüfung schützt Patientendaten und sorgt für einen störungsfreien Praxisbetrieb. Jetzt handeln, um rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren.

IT-Sicherheit für Arztpraxen: 5 Schritte zum Schutz von Patientendaten
IT-Sicherheitsrichtlinie
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Bewertung Ihrer aktuellen IT-Sicherheitsinfrastruktur
Um potenzielle Sicherheitslücken in Ihrer IT-Infrastruktur zu erkennen, ist eine gründliche Bewertung unverzichtbar. Diese Analyse deckt Schwachstellen auf, bevor sie ausgenutzt werden können. Dabei geht es nicht nur um technische Aspekte, sondern auch um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wie der KBV IT-Sicherheitsrichtlinie gemäss § 75b SGB V und des BSI IT-Grundschutzes. Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie Schwachstellen gezielt identifizieren und Risiken bewerten können.
Durchführung von Schwachstellen-Scans
Ein Schwachstellen-Scan untersucht Ihre gesamte IT-Umgebung systematisch auf Sicherheitslücken. Dazu zählen lokale Server, PCs, Tablets, Smartphones und cloudbasierte Praxisverwaltungssysteme (PVS). Besonders wichtig ist die Überprüfung der Software-Lebenszyklen, da veraltete Betriebssysteme ohne Sicherheitsupdates ein erhebliches Risiko darstellen.
Penetrationstests simulieren reale Angriffe auf Ihre Infrastruktur, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen. Für cloudbasierte PVS-Systeme sollten Sie sicherstellen, dass der Anbieter über das BSI C5-Testat verfügt. Zudem ist es wichtig, dass Ihr IT-Dienstleister im offiziellen KBV-Verzeichnis zertifizierter Techniker nach § 390 SGB V aufgeführt ist.
| Sicherheitskomponente | Prüfmethode | Relevanter Standard/Frist |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Versionsprüfung | Windows 10 (Ende: Okt. 2025) |
| Server-Betriebssystem | Versionsprüfung | Windows Server 2016 (Ende: Jan. 2027) |
| Cloud-Sicherheit | Zertifikats-Audit | BSI C5-Testat |
| Praxisnetzwerk | Penetrationstest | KBV § 75b SGB V |
| Datenzugriff | Rechte-Audit | Art. 32 DSGVO |
Durchführung von Risikobewertungen
Nach der Identifikation technischer Schwachstellen ist es entscheidend, die tatsächliche Bedrohungslage umfassend zu bewerten. Eine Risikobewertung analysiert die konkrete Gefährdung Ihrer Praxis. Dazu gehört die Identifikation aller Assets – von mobilen Geräten bis hin zu cloudbasierten Systemen – sowie die Analyse spezifischer Bedrohungen wie Ransomware und Phishing. Der menschliche Faktor spielt hierbei eine zentrale Rolle, da Fehler wie der Verlust von Geräten oder das Öffnen von Phishing-E-Mails häufige Ursachen für Sicherheitsvorfälle sind.
Überprüfen Sie, ob alle Dienstleister Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) gemäss Art. 28 DSGVO unterzeichnet haben. Zudem sollten die technischen Massnahmen das Berufsgeheimnis nach § 203 StGB unterstützen. Ein AVV allein reicht jedoch nicht aus – die technische Umsetzung muss ebenfalls nachweisbar sein.
Dokumentieren Sie alle identifizierten Schwachstellen und priorisieren Sie Massnahmen basierend auf ihrer potenziellen Auswirkung auf Patientendaten. Ein bewährtes Vorgehen ist die 3-2-1-Backup-Regel: Halten Sie 3 Kopien Ihrer Daten auf 2 verschiedenen Medientypen bereit, wobei 1 Kopie extern gespeichert wird. Testen Sie regelmässig die Wiederherstellung Ihrer Backups. Diese Dokumentation und die analysierten Schwachstellen bilden die Grundlage für Ihre nächsten Sicherheitsmassnahmen.
Implementierung von Echtzeit-Überwachung mit SIEM-Tools
Nach der Schwachstellenanalyse ist der nächste Schritt die Einführung einer Echtzeit-Überwachung. Identifizierte Sicherheitslücken machen ein Überwachungssystem erforderlich, das in Echtzeit arbeitet. SIEM-Systeme (Security Information and Event Management) vereinen Sicherheits- und Ereignismanagement auf einer Plattform. Sie sammeln kontinuierlich Daten von Firewalls, Servern und Endgeräten und analysieren diese. Moderne SIEM-Lösungen nutzen dabei Technologien wie Machine Learning und Künstliche Intelligenz, um ungewöhnliche Aktivitäten zu erkennen und Fehlalarme zu minimieren. Ein Beispiel: Das Telekom Security Operations Center (SOC) verarbeitet täglich Milliarden sicherheitsrelevanter Datenpunkte aus über 250’000 Quellen.
Für Arztpraxen stellt sich die Herausforderung, dass nur 28,4 % der Praxen von einem nahezu fehlerfreien Betrieb digitaler Prozesse wie dem E-Rezept berichten. SIEM-Tools schaffen hier Abhilfe, indem sie einen zentralen Überblick über sicherheitsrelevante Ereignisse bieten – von der Telematikinfrastruktur (TI) bis hin zu cloudbasierten Praxisverwaltungssystemen. Die Fähigkeit, Daten aus verschiedenen Quellen zu korrelieren, ermöglicht es, komplexe Bedrohungen wie Ransomware oder Spyware frühzeitig zu erkennen. Damit können Praxen schnell auf Sicherheitsvorfälle reagieren und ihre IT-Infrastruktur schützen.
Auswahl des richtigen SIEM-Tools
Bei der Wahl eines SIEM-Systems sollten die spezifischen Anforderungen von Arztpraxen im Mittelpunkt stehen. Das System muss die Einhaltung der DSGVO, der KBV-Sicherheitsrichtlinien und des § 75b SGB V gewährleisten und mit der vorhandenen Hardware sowie dem Praxisverwaltungssystem kompatibel sein. Besonders wichtig: Laut einer Umfrage priorisieren 88,7 % der Arztpraxen eine einfache Bedienung und guten Support bei der Auswahl neuer IT-Systeme. Ein komplexes Tool ohne intuitive Benutzeroberfläche wird in der Praxis oft nicht effektiv genutzt.
Auch die Skalierbarkeit spielt eine grosse Rolle, vor allem wenn die Praxis wächst oder neue digitale Dienste wie die elektronische Patientenakte (ePA) eingeführt werden. Cloudbasierte SIEM-Lösungen sollten ein BSI C5-Testat besitzen. Da 47 % der medizinischen IT-Nutzer mit den Support-Kosten unzufrieden sind, ist eine transparente Preisgestaltung ein weiterer zentraler Faktor.
Konfiguration von SIEM für optimale Leistung
Die Konfiguration eines SIEM-Systems beginnt mit der zentralisierten Erfassung von Daten aus allen relevanten Quellen, darunter lokale Praxisserver, Cloud-Dienste und die Telematikinfrastruktur. Zusätzlich sollte das System so eingestellt werden, dass es die Integrität von Backups überwacht. Dank Machine Learning können kritische Bedrohungen priorisiert werden, sodass das Personal nicht von einer Flut an Alarmmeldungen überwältigt wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einrichtung granularer Zugriffskontrollen. Das SIEM-Tool sollte das Rollen- und Rechtesystem der Praxis überwachen, um sicherzustellen, dass nur autorisiertes Personal Zugriff auf sensible Patientendaten hat. Ebenso wichtig ist die Integration eines Patch-Managements, um sicherzustellen, dass Sicherheitsupdates – etwa für Windows 11 oder Server 2025 – zeitnah installiert werden. Systeme ohne aktuelle Updates bleiben anfällig. Viele Praxen setzen daher auf Managed IT Services, bei denen externe Experten die Überwachung von Servern, Virenschutz und Backups übernehmen.
„SIEM und SOC fungieren gemeinsam als unsichtbare Schutzschilde im Bedrohungs- und Schwachstellenmanagement.“ – Telekom Healthcare
Zugriffssicherung mit Multi-Faktor-Authentifizierung und Verschlüsselung
Zusätzlich zur Echtzeit-Überwachung bietet eine solide Zugriffssicherung einen weiteren Schutzschild. Nach der SIEM-Überwachung übernehmen Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Verschlüsselung die Aufgabe, sensible Systeme vor unbefugtem Zugriff zu bewahren. Anforderungen wie die KBV-IT-Sicherheitsrichtlinie (§ 75b SGB V), die NIS2-Richtlinie und die DSGVO schreiben den Einsatz solcher Technologien vor. In der Schweiz drohen Praxisinhabern bei Verstössen gegen Datensicherheitsvorgaben gemäss revDSG persönliche Bussen von bis zu CHF 250’000.–.
Der erste Schritt ist ein rollenbasiertes Zugriffskontrollsystem (RBAC). Dieses sorgt dafür, dass Mitarbeitende ausschliesslich auf die Daten zugreifen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Auch Zugriffe aus dem Homeoffice sollten nur über zertifizierte, verschlüsselte Verbindungen erfolgen. Gleichzeitig müssen alle IT-Dienstleister, die Praxisdaten bearbeiten, gemäss § 203 StGB zur Einhaltung des ärztlichen Berufsgeheimnisses verpflichtet werden.
Einrichtung der Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA)
MFA schützt vor unbefugtem Zugriff, selbst wenn Passwörter kompromittiert werden. Neben dem Passwort ist ein zusätzlicher Faktor erforderlich, wie ein Code aus einer Authenticator-App, eine SMS oder ein biometrischer Nachweis. Beginne mit der Aktivierung von MFA für administrative Zugänge, dann für Fernzugriffe und schliesslich für Cloud-Dienste wie die elektronische Patientenakte (ePA).
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmässige Schulung des Praxisteams. Awareness-Trainings helfen, das Bewusstsein für Cyberrisiken zu schärfen und den richtigen Umgang mit Zugangsdaten zu fördern. Viele Praxen beauftragen zertifizierte IT-Dienstleister mit der Einrichtung und Überwachung von MFA-Systemen, um den Praxisbetrieb nicht zu beeinträchtigen.
Sobald der Zugang durch MFA geschützt ist, steht der Schutz der Daten selbst durch Verschlüsselung im Fokus.
Datenverschlüsselung für sicheren Schutz
Verschlüsselung sichert Daten sowohl im Ruhezustand als auch während der Übertragung. Tools wie BitLocker und TLS sind hier essenziell. Für lokale Systeme empfiehlt sich die Aktivierung von Microsoft BitLocker, um die Festplatten aller Rechner und Server zu verschlüsseln. So bleibt der Zugriff bei einem Einbruch oder Geräteverlust verwehrt. Praxisdatenbanken sollten direkt auf Datenbankebene verschlüsselt werden, und bei der Datenübertragung ist eine TLS-Verschlüsselung zwischen Browsern und Cloud-Systemen unerlässlich.
Sicherheits- und Datenschutzanforderungen werden bereits bei der Architektur unserer Systeme berücksichtigt – nicht erst nachträglich ergänzt. – CGM
Zusätzliche Sicherheit bringt die Netzwerksegmentierung durch Firewalls. Diese unterteilen die Praxisinfrastruktur in isolierte Segmente, sodass sich Angriffe nicht ungehindert ausbreiten können. Für den sicheren Austausch von Patientendaten mit anderen Gesundheitsdienstleistern sind verschlüsselte E-Mail-Dienste wie HIN Mail eine gute Wahl.
Ein professionelles Patch-Management sorgt dafür, dass Sicherheitsupdates rechtzeitig installiert werden. Das ist besonders wichtig, da der Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 endet. Systeme, die nicht auf Windows 11 aktualisiert werden, könnten danach anfällig für Angriffe sein.
Automatisierung von Überwachung und Incident Response
Nach der Einführung von MFA und Verschlüsselung wird es für Arztpraxen entscheidend, ihr Sicherheitsmonitoring zu automatisieren. Manuelle Prozesse stossen bei der wachsenden Zahl an Cyberangriffen schnell an ihre Grenzen. Tools wie SOAR (Security Orchestration, Automation, and Response) und KI-gestützte Anomalieerkennung helfen dabei, Bedrohungen effizienter zu erkennen und darauf zu reagieren. Sobald zentrale SIEM- und Zugriffssicherheitslösungen eingerichtet sind, rückt die Automatisierung in den Fokus, um Vorfälle schneller zu bewältigen. Diese Prozesse schaffen die Grundlage für weitere Schritte, wie den gezielten Einsatz von SOAR-Tools.
Einsatz von SOAR-Tools zur Automatisierung
SOAR-Systeme sammeln Alarme aus verschiedenen Quellen wie Firewalls und EDR (Endpoint Detection and Response) und reichern sie mit Kontextinformationen an. Dadurch wird es einfacher, zwischen echten Vorfällen und Fehlalarmen zu unterscheiden. Fehlalarme können das Praxisteam unnötig belasten, während echte Bedrohungen nicht übersehen werden dürfen.
Ein grosser Vorteil von SOAR-Systemen ist ihre Fähigkeit, Sofortmassnahmen einzuleiten. Wird beispielsweise ein kompromittiertes Benutzerkonto entdeckt, kann das System dieses umgehend sperren. Ebenso kann eine infizierte Workstation automatisch vom Netzwerk getrennt werden, um die Ausbreitung von Malware zu verhindern. Florian Leibenzeder, Technical Lead bei Swisscom SOC, erläutert:
Nur durch fortschreitende Automatisierung und die Vereinheitlichung von Tools können wir mit der zunehmenden Komplexität unserer Infrastrukturen und den Angriffen darauf Schritt halten.
Für Arztpraxen empfiehlt sich ein gestufter Ansatz: Zunächst sollten EDR-Agenten auf allen Geräten installiert und Firewall-Alarme integriert werden (Basis-Variante). Danach kann eine 24/7-Überwachung durch Experten (Standard) hinzugefügt werden. Abschliessend können spezifische Cloud-Dienste und Anwendungslogs (Comprehensive) in den Sicherheitsprozess eingebunden werden. Die Kosten für MDR-Dienste belaufen sich in der Regel auf 10–15 % des IT-Budgets und werden pro überwachten Arbeitsplatz und Server berechnet.
KI-gestützte Anomalieerkennung
Während SOAR-Systeme Alarme korrelieren, sind KI-Systeme darauf spezialisiert, komplexe Angriffsmuster zu erkennen. Sie identifizieren Aktivitäten, die für manuelle Analysen oder regelbasierte Systeme zu anspruchsvoll wären. Ein Beispiel: Wenn ein Mitarbeiterkonto plötzlich zu ungewöhnlichen Zeiten grosse Datenmengen abruft, könnte dies auf einen Datenabfluss hindeuten.
Doch auch Automatisierung hat ihre Grenzen. Lorenz Inglin, Head of Cyberdefense Team bei Swisscom, erklärt:
Automatisierung hilft, hat aber Grenzen… Software kann den Kontext nicht klassifizieren: Wenn ein Mitarbeiter IBAN-Nummern per E-Mail versendet, sind das nun vertrauliche Bankdaten und ein unerwünschter Datenleak oder nur Einzahlungsscheine für einen Verein, in dem die Person engagiert ist?
Die Kombination aus automatisierter Überwachung und menschlicher Expertise ist daher unverzichtbar. Viele erfolgreiche Cyberangriffe basieren auf menschlichem Fehlverhalten, wie dem Nicht-Erkennen von Phishing-E-Mails oder dem Verlust mobiler Geräte. Regelmässige Schulungen zur Sensibilisierung des Praxisteams ergänzen die technischen Sicherheitsmassnahmen sinnvoll.
Mit der Unterstützung durch die Datacom AG lassen sich diese Automatisierungslösungen nahtlos in bestehende IT-Umgebungen integrieren, um die Sicherheitsinfrastruktur nachhaltig zu stärken.
Kontinuierliche Sicherheitsaudits und Reporting etablieren
Nachdem Sicherheitsprozesse automatisiert wurden, ist es entscheidend, regelmässige Überprüfungen einzuplanen. Diese Audits ergänzen die Echtzeit-Überwachung und sorgen dafür, dass Ihre Cloud-Umgebung dauerhaft geschützt bleibt. Mit dem Inkrafttreten des revidierten Datenschutzgesetzes (revDSG) im September 2023 sind technische und organisatorische Massnahmen zum Schutz sensibler Gesundheitsdaten gesetzlich vorgeschrieben. Verstösse können mit Geldbussen von bis zu CHF 250’000 geahndet werden – und zwar persönlich gegen den Praxisinhaber. Ein strukturierter Ansatz für Audits und Reporting schützt nicht nur Patientendaten, sondern auch die Praxisleitung vor rechtlichen Folgen.
Planung regelmässiger Sicherheitsaudits
Der FMH IT-Grundschutz ist für Arztpraxen in der Schweiz die zentrale Orientierungshilfe. Er basiert auf internationalen Standards wie ISO 27001 und BSI-Grundschutz, wurde jedoch speziell für kleine und mittlere Praxen angepasst. Die Umsetzung erfolgt in einem klar definierten Prozess über 4–8 Wochen.
- Woche 1–2: Eine Gap-Analyse bewertet den aktuellen Sicherheitsstatus im Vergleich zu den FMH-Anforderungen.
- Woche 2: Dringende Massnahmen werden priorisiert, wie z. B. Passwortänderungen, die Optimierung von Backups oder die Segmentierung des Netzwerks.
- Woche 3–7: Hier folgen technische Installationen, Mitarbeiterschulungen und die Entwicklung von Notfallplänen.
- Ab Woche 8: Der Fokus liegt auf kontinuierlichem Monitoring.
Technische Audits sollten mindestens vierteljährlich durchgeführt werden. Dazu gehören Tests zur Wiederherstellung von Backups sowie Penetrationstests, die potenzielle Sicherheitslücken aufdecken. Organisatorische Audits, wie jährliche Sicherheitsschulungen und Notfallübungen, sind ebenfalls essenziell. Zusätzlich ist die gesetzliche Aufbewahrungspflicht medizinischer Daten – mindestens 10 Jahre, in einigen Kantonen sogar 20 Jahre – ein wichtiger Prüfpunkt. Überprüfen Sie regelmässig, ob die Backup-Strategie den Standards entspricht.
Die Ergebnisse dieser Audits bilden die Grundlage für umfassende Sicherheitsreports.
Generierung von Sicherheitsreports
Sicherheitsreports dokumentieren nicht nur die Einhaltung von Vorschriften, sondern bieten auch klare Handlungsempfehlungen. Diese Berichte sollten Informationen wie den Zustand der Server, die Aktivität von Antivirenprogrammen und die Ergebnisse von Backups enthalten. Besonders wichtig ist die Überwachung von Software-Lebenszyklen, um rechtzeitig auf endende Support-Zeiträume zu reagieren. Auch Risikobewertungen, Sicherheitsvorfälle und getroffene Massnahmen müssen festgehalten werden, um den Anforderungen der NIS2-Richtlinie für kritische Infrastrukturen gerecht zu werden.
Hier eine Übersicht empfohlener Frequenzen und regulatorischer Vorgaben:
| Audit-Aufgabe | Empfohlene Frequenz | Regulatorischer Kontext |
|---|---|---|
| Backup-Wiederherstellungstest | Vierteljährlich | FMH IT-Grundschutz |
| Mitarbeiterschulungen Sicherheit | Jährlich | revDSG / FMH |
| IT-Notfallübungen | Jährlich | FMH IT-Grundschutz |
| Vollständiges Audit / Gap-Analyse | Alle 1–2 Jahre | revDSG-Compliance |
| Schwachstellen-/Patch-Management | Kontinuierlich | Art. 32 DSGVO / revDSG |
Die Kosten für Managed Security Services variieren je nach Praxisgrösse. Einzelpraxen (1–3 Arbeitsplätze) zahlen zwischen CHF 200–500 monatlich, während Gemeinschaftspraxen (4–10 Arbeitsplätze) mit CHF 500–1’500 rechnen müssen. Für medizinische Zentren (10+ Arbeitsplätze) liegen die monatlichen Kosten bei CHF 1’000–3’000. Die Datacom AG bietet Unterstützung bei der Integration dieser Audit- und Reporting-Prozesse in bestehende IT-Strukturen, sodass gesetzliche Anforderungen zuverlässig erfüllt werden können.
Fazit
Die IT-Sicherheitsüberwachung ist für Arztpraxen nicht nur rechtlich vorgeschrieben, sondern auch wirtschaftlich unverzichtbar. Ransomware-Angriffe können Praxen für durchschnittlich 10 bis 14 Tage lahmlegen und Schäden zwischen CHF 50’000 und CHF 200’000 verursachen. Mit Managed Services, automatisierten Backups und regelmässigen Penetrationstests können Sie Patientendaten schützen und den Praxisbetrieb sichern. Diese Massnahmen bilden die Basis für eine widerstandsfähige IT-Sicherheitsstrategie.
Die genannten Schritte helfen speziell bei der IT-Sicherheitsüberwachung in Cloud-Umgebungen. Das Patch-Management schützt vor bekannten Schwachstellen – besonders wichtig, da der Support für Windows 10 und Windows Server 2016 bald endet. Multi-Faktor-Authentifizierung und verschlüsselte Backups, die der 3-2-1-Regel folgen, sind essenziell, um sensible Daten abzusichern. Ergänzend dazu schärfen jährliche Schulungen das Bewusstsein Ihres Teams für aktuelle Bedrohungen.
Zwei Hauptansätze bieten sich an: BSI C5-zertifizierte Cloud-Lösungen sorgen für professionelles Hosting, automatische Updates und geografisch verteilte Backups. Sie reduzieren den Aufwand für Hardwarewartung erheblich. Lokale Installationen hingegen bieten mehr physische Kontrolle, erfordern jedoch manuelle Pflege und eine sorgfältige Verschlüsselung. Beide Varianten müssen die Vorgaben der KBV-Sicherheitsrichtlinie und des revDSG erfüllen.
IT-Sicherheit ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein fortlaufender Prozess. Vierteljährliche Audits, regelmässige Schwachstellenscans und die Überwachung von Software-Lebenszyklen helfen dabei, Ihre Praxis auch gegen neue Bedrohungen abzusichern. Die Datacom AG unterstützt Schweizer Arztpraxen bei der nahtlosen Integration dieser Prozesse in bestehende Strukturen – für nachhaltige Sicherheit und Compliance.
FAQs
Welche Logs und Systeme sollte ein SIEM in einer Arztpraxis zwingend überwachen?
Ein SIEM (Security Information and Event Management) sollte in einer Arztpraxis die Logs und Systeme von verschiedenen Komponenten überwachen, darunter:
- Netzwerkgeräte wie Router und Firewalls
- Server und deren Betriebssysteme
- Zugriffs- und Authentifizierungssysteme, z. B. für Benutzeranmeldungen
- Anwendungen, die in der Praxis genutzt werden
Durch diese umfassende Überwachung können potenzielle Bedrohungen frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig hilft ein SIEM dabei, die strengen Datenschutzbestimmungen einzuhalten, die für sensible Patientendaten gelten.
Wie implementiere ich MFA, ohne den Praxisalltag zu verlangsamen?
Nutzen Sie schnelle und einfache MFA-Methoden wie biometrische Verfahren (z. B. Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) oder hardwarebasierte Sicherheits-Token. Diese reduzieren den Aufwand, da zusätzliche Schritte wie die Eingabe eines Codes entfallen. Setzen Sie auf Lösungen, die sich problemlos in den Praxisalltag einfügen – etwa durch automatische Erkennung oder Single Sign-On (SSO). Das sorgt für einen effizienten Workflow und erhöht gleichzeitig die Sicherheit.
Was ist der schnellste Notfallplan, wenn Ransomware die Praxis lahmlegt?
Ein Ransomware-Angriff kann Chaos verursachen, aber schnelles Handeln ist entscheidend, um den Schaden zu begrenzen. Hier sind die wichtigsten Schritte, die sofort umgesetzt werden sollten:
- Systeme sofort vom Netzwerk trennen: Dies verhindert, dass sich die Schadsoftware weiter ausbreitet und andere Geräte infiziert.
- Backups wiederherstellen: Falls regelmässige und sichere Backups vorhanden sind, können diese genutzt werden, um den Betrieb wiederherzustellen.
- IT-Experten hinzuziehen: Fachleute können die Schadsoftware analysieren, entfernen und die Schwachstellen identifizieren, die den Angriff ermöglicht haben.
- Kommunikation sicherstellen: Klare Kommunikationswege sind essenziell, um Patienten, Partner und Mitarbeitende über die Situation zu informieren und Vertrauen zu bewahren.
Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung: Regelmässige Backups und ein gut durchdachter Notfallplan können die Auswirkungen eines solchen Angriffs erheblich reduzieren.
